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Erinnerung an die Evakuierung 1945: Fußmarsch von Velden nach Straelen am 19. Januar 2020

Meldung vom: 28.11.2019

“Nie wieder Krieg” ist die Botschaft und dringende Forderung der Organisatoren des historischen Fußmarsches, der am Sonntag, 19. Januar 2020 von Velden nach Straelen stattfindet. Gemeinsam erinnern die Städte Velden und Straelen damit an die Evakuierung der Veldener Bevölkerung im Januar 1945 und an 75 Jahre Befreiung.
Am Morgen des 14. Januar 1945 zogen die Veldener in einer Kolonne von fast zwei Kilometern Länge in eisiger Kälte zögernd und widerwillig von der Bauernschaft Schandelo über die Grenze nach Deutschland. Eskortiert wurden sie von deutschen Soldaten und Freiwilligen des Roten Kreuzes.
Straelen hatte sich im Winter 1944/45 genau wie Velden in eine unheimliche Geisterstadt verwandelt. Die Einwohner waren schon seit Dezember 1944 in den Osten und Südosten Deutschlands evakuiert worden. Es war bitterkalt während des Marsches nach Straelen. Der Schnee lag einige Zentimeter hoch. Niemand wusste, wo diese Reise enden sollte. In aller Eile hatten die Einwohner Proviant für ihre erzwungene Flucht zusammen gerafft. Sie trugen getrocknete Schinken, Würste und Stapel von dick belegten Butterbroten bei sich und durften maximal 25 Kilo Gepäck pro Person mitnehmen. Kinderwagen, Fahrräder, Bollerwagen, Handkarren, hölzerne Schubkarren und aus Leitern gebaute Schlitten waren die Transportmittel, die mitgezogen oder mitgeschoben wurden. Ältere, kranke und weniger mobile Personen wurden per Militärfahrzeug nach Straelen gebracht. Kleidung, die nicht mehr in die Koffer passte, hatte man in Lagen übereinander angezogen. Das half wiederum gegen die schneidende, strenge Kälte. Dennoch kamen die meisten Erwachsene und Kinder durchgefroren bis auf die Knochen in Straelen an. Die Besatzer kannten kein Pardon. In Straelen kam die Gruppe zunächst in der Volksschule unter, anschließend ging die ungewisse Reise weiter per Zug in Viehwaggons. Schließlich kamen die “Entwurzelten” schmutzig und müde in der Stadt Groningen an. Von dort aus wurden sie auf verschiedene Gastfamilien in der Umgebung verteilt.
Was im Jahre 2019 übrig ist, sind die Erinnerungen an diese schwarzen Seiten der Geschichte. Ein Stück Geschichte, das für immer in den Köpfen der Menschen hängen bleiben muss.

Als Erinnerung an jeden, der diese furchtbaren Ereignisse miterlebt hat, findet am Sonntag, 19. Januar 2020 der historischer Fußmarsch von der St. Andreas Kirche in Velden über Schandelo und Kastanienburg bis nach Straelen statt. Alle Teilnehmer des Fußmarsches werden sich wie zur damaligen Zeit üblich kleiden und nur Transportmittel und Gegenständen aus der Zeit benutzen. Beim Start, am Ziel und unterwegs werden unter anderem Geschichten über diese Umsiedlung erzählt und zum Thema passende Lieder gesungen.
Auf deutscher Seite organisiert das KLT Kameradschaftliches Liebhabertheater in Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde und Förderer des Stadtarchivs den Empfang in Straelen. Am Zielpunkt, dem Jugendzentrum JuSt in Straelen, erwartet ein Willkommens-Komitee mit einem herzlichen Empfang sowie einer Stärkung die Gruppe aus Velden. Gesucht werden noch interessierte Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren möchten und mithelfen wollen. Sie können sich gerne per Mail bei Dirk Sieben unter dirk.sieben@just-straelen.de melden.
Aktuell haben sich bereits mehr als 60 Menschen aus Velden angekündigt.

Möglich wird das Projekt unter anderem durch Mittel aus dem Interreg – Programm Niederlande – Deutschland und durch die Unterstützung von Einrichtungen, Vereinen und Ehrenamtlichen aus Velden und Straelen.