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Sehenswürdigkeiten

Der Brunnen auf dem Marktplatz

Am Markt beginnen wir unseren Rundgang durch den historischen Stadtkern. Fasziniert betrachten wir den imposanten Bau der Pfarrkirche St. Peter und Paul, der hinter einigen Bürgerhäusern im Südosten aufragt. Der erste Landeskonservator der Rheinprovinz nannte ihn "das architektonisch bedeutendste, größte und interessanteste Gotteshaus im Kreis Geldern". Auch für seine wertvolle hochgotische Sakralausstattung haben seine Worte Gültigkeit.

Blick auf die Pfarrkirche St. Peter und Paul

Erinnert sei an die zwei kostbaren Antwerpener Schnitzaltäre von 1520, oder das Sakramentshäuschen im Chor, "eine vortreffliche Arbeit um 1500". Das älteste und bedeutendste Kunstwerk befindet sich aber in der Taufkapelle neben dem Turm, es handelt sich um ein romanisches Taufbecken von 1180 der Maas-Schelde-Schule, das in "urtümlich expressiven Reliefs von hoher Kraft" unter anderen die Anbetung der Heiligen Drei Könige zeigt. Reizvoll ist auch die Lage der Kirche in einem ehemaligen Friedhofs- und Immunitätsbezirk, der durch eine geschlossene bogenförmige Häuserzeile einen schönen Platz bildet.

 

Das Europäische  Übersetzer-Kollegium

Am Hochchor der Kirche vorbei gehen wir in die Kuhstraße zum Europäischen Übersetzer-Kollegium, das in einem Gebäudekomplex von fünf denkmalgeschützten Häusern untergebracht ist.
Man kann hier nicht übersetzen lernen und auch nicht übersetzen lassen, sondern "nur" übersetzen: Das Europäische Übersetzer-Kollegium ist das weltweit erste, internationale Arbeitszentrum für literarische Übersetzer, in dem deutschen und ausländischen Buch-Übersetzern insgesamt 29 Appartements, Arbeitsräume und eine 125.000-bändige Spezialbibliothek mit Nachschlagewerken in mehr als 275 Sprachen zur Verfügung stehen. Jährlich kommen über 750 Arbeitsgäste aus allen Teilen der Welt mit ihrem jeweiligen Projekt - dem Übersetzungsauftrag eines Verlages - um die vielfältigen Hilfsmittel des Hauses zu nutzen, aber auch um Kollegen zu treffen, miteinander zu arbeiten und Erfahrungen und Anregungen auszutauschen. Ermöglicht wird die Arbeit des Europäischen Übersetzer-Kollegiums vor allem durch die institutionelle Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Stadtarchiv Straelen

Eine Hausnummer weiter befindet sich in einem der ältesten Häuser der Stadt das Stadtarchiv mit seinen bis 1326 zurückreichenden historischen Beständen. Zum 450 Jahre alten Haus gehörten ein Landwirtschaftsbetrieb und eine Schenkwirtschaft. Letztere war bis 1981 in Betrieb, unter dem Namen "Landmann" in Straelen bestens bekannt. Bis 1840 wurden im Haus das zum Eigenbedarf nötige Bier gebraut und ebenfalls Schnaps gebrannt. Davon zeugt der wuchtige in Backstein gemauerte Kamin, der unter anderen als Malzdarre und Räucheranlage genutzt wurde.

Blick in die Venloer Straße

Durch die Barbaragasse und die Bayonstraße betreten wir die Venloer Straße, die sich zu einer der lebhaftesten Einkaufs- und Flanierstraßen entwickelt hat. Am Venloer Tor finden wir den Brunnen "Früchte des Straelener Raumes", der einen der Haupterwerbszweige Straelens symbolisiert: die Produktion und Vermarktung von Gemüse und Blumen. Daher führt Straelen auch den Beinamen "Blumenstadt".

Über den Westwall erreichen wir den Klosterplatz, auf dem wir ein Relikt aus Straelens schwerster Zeit vorfinden: eine Kanone, die von niederländischen Truppen 1591 anlässlich eines (gescheiterten) Eroberungsversuches zurückgelassen wurde.

Über eine der strahlenförmig in den Markt mündende Straße laufen wir wieder zum Markt, um seine schönen Giebel und die anheimelnde Atmosphäre zu genießen.

Der Brunnen auf dem Marktplatz

Der Marktbrunnen von Bonifatius Stirnberg aus Aachen, dessen Figuren man verstellen und bewegen kann, ist nicht nur der Liebling der Kinder. Zu sehen sind Bischof Anno II. von Köln als Grund- und Schirmherr Straelens, ein Schützenoffizier, der die Bedeutung der Bruderschaften seit dem Mittelalter repräsentiert. Die Blumenkönigin steht als Verkörperung der Blumenstadt, ein Clown für die Geselligkeit und den hohen Rang des Brauchtums, insbesondere des Karnevals in Straelen.

Wer im Sommer nach Straelen kommt, stellt mit Vergnügen fest, dass der Marktplatz einer der beliebtesten Ausflugsplätze der ganzen Region ist. Hunderte Fahrradfahrer und Ausflügler setzen in ihrer farbenfrohen Montur während ihrer Rast auf dem Marktplatz und in den Gaststätten einen lebendigen Akzent.

Früher Verkehrsachse, Handelsplatz, Versammlungsstätte, Bühne für Geselligkeit und Kultur war der Platz Herz- und Nervenzentrum des Gemeinwesens. Heute ist er die gute Stube der Stadt, ohne die die ihn umstehenden Häuser nur eine Häuseransammlung darstellen würden.

Über die Gelderner Straße wandern wir zur Lucia-Pumpe. Seit dem Mittelalter wurde sie als Patronin dieses Viertels verehrt, deshalb wurde ihr zur Erinnerung eine Statue auf einer der früher typischen Nachbarschaftspumpen angebracht. Die Pumpe steht am Eingang der Küfergasse, in der vor 200 Jahren mehrere Küferfamilien lebten und arbeiteten.

Foto: Joachim Dielen, Martinsbrunnen bei Nacht

Nur ca. 100 m vom Marktplatz entfernt befindet sich der Martinsbrunnen am Nordwall. Das Sankt-Martins-Komitee und die Stadt Straelen konnten diesen Brunnen mit Unterstützung vieler Sponsoren und Spender errichten und am Vortag des Sankt-Martin-Festes am 10.11.2002 feierlich einweihen. Den spiralförmig verlaufenden Brunnen zieren bronzene Kinderfiguren mit ihren Fackeln.